In unserem ersten Teil haben wir über unsere technologische Unabhängigkeit und den Beitritt zur Hostsharing eG berichtet. Doch digitale Souveränität ist nur eine Seite der Medaille. Wer unabhängig agieren will, braucht auch Partner im Finanzwesen, die dieselben Werte teilen.
Konsequenterweise sind wir im vergangenen Jahr einen weiteren Schritt gegangen: Wir sind nun Mitglied der GLS Gemeinschaftsbank eG.
Ein geplanter Post mit Hindernissen
Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag schon früher erscheinen. Doch während wir den Entwurf schrieben, erreichten uns die Meldungen über die Kontokündigungen der Roten Hilfe e.V. und der DKB durch die GLS Bank. Diese Nachrichten haben uns innehalten lassen.
Warum? Weil diese Entwicklungen Fragen aufwerfen, die weit über das Bankgeschäft hinausgehen. Es geht um die Frage, wie wehrhaft unsere Zivilgesellschaft bleibt, wenn der Zugang zu finanzieller Infrastruktur zum politischen Druckmittel wird.
Haltung zeigen statt vorauseilender Gehorsam
Wir beobachten Initiativen wie „Debanking stoppen“ mit großem Interesse und unterstützen die Forderungen ihres offenen Briefes. Organisationen wie die Rote Hilfe e.V. haben ihren Fokus nicht verändert – verändert haben sich die politischen Realitäten. Wir erleben eine Zeit, in der zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend angefeindet werden.
Dabei sehen wir eine gefährliche Dynamik: Strategien, die darauf abzielen, demokratische Organisationen zu delegitimieren, greifen um sich. Diesen Bestrebungen aus vorauseilendem Gehorsam nachzugeben, löst das Problem nicht. Im Gegenteil: Es verschärft die Marginalisierung kritischer Stimmen und schwächt das demokratische Gefüge.
Unser Appell als Genoss*innen
Als Teil der GLS-Gemeinschaft möchten wir unserer Bank den Rücken stärken. Wir haben uns bewusst für eine Genossenschaftsbank entschieden, weil wir an das Modell der gemeinschaftlichen Verantwortung glauben. Gerade deshalb fordern wir:
- Aktive Teilhabe schützen: Die GLS sollte als Pionierin für sozial-ökologische Werte auch eine Vorreiterrolle darin einnehmen, die Teilhabe ihrer Kund*innen an der Zivilgesellschaft zu garantieren.
- Mutiges Risikomanagement: Wir sind der Ansicht, dass die GLS ein Risikomanagement benötigt, das die Waage hält. Es gilt, Risiken für das Institut abzuwenden, ohne dabei das Risiko für unsere Demokratie aus den Augen zu verlieren.
Wir bleiben Genoss*innen – kritisch, wachsam und solidarisch. Denn Souveränität bedeutet für uns auch, die Institutionen, denen wir angehören, an ihre eigenen Ideale zu erinnern.